Mr. Jones Times



U2 sind wieder am Horizont

Von Sasch • 14. März 2009 • Kategorie: Artikel des Monats, Reviews

U2 Bono

Vor tatsächlichen 33 Jahren entstand eine Band in Dublin, die unter dem Namen „Feedback“ erste Gehversuche in dem Bereich Rock n’ Roll unternahm. Doch unter diesem Namen, wie auch unter dem zweiten „The Hype“ sollte sie nicht zu Weltruhm aufsteigen. U2 war es dann, mit dem man eine Karriere startete, die diese Gruppe junger Musiker zur heutigen größten Rockband der Welt machte. 1983 folgten schließlich die ersten Hits „New Years Day“ und „Sunday Bloody Sunday“. Im Folgejahr erschien „The Unforgettable Fire“ mit dem Welthit „Pride (In The Name Of Love)“. Politische Texte (die genannten Hits hatten allesamt einen politischen Hintergrund), Engagement gegen Unterdrückung und für Menschenrechte waren bereits von Beginn an ein großes Thema für U2, insbesondere für den Sänger Bono Vox. Beim Live Aid-Konzert 1985, das zur Bekämpfung der Hungersnot in Äthiopien aufrief, wurde U2 vor einem Millionenpublikum zu Stars. Den eigenen Meilenstein lieferten Bono, Larry Mullen, The Edge und Adam Clayton 1987 ab. „The Joshua Tree“ gehört wohl zu den 100 besten Alben, die jemals erschienen. Alle Singleauskopplungen daraus (z.B.: „With Or Without You“, “I Still Haven’t Found What I’m Looking For” und “Where The Streets Have No Name”) wurden zu großen Hits die heute zum festen Bestandteil der populären Musikgeschichte gehören. Nach einigen Stilwechsel und weiteren Erfolgen in den Folgejahren kamen sie 1998 zum Rock zurück. „All That You Can’t Leave Behind“ hieß der Longplayer aus diesem Jahr. Insgesamt brachte U2 13 Alben heraus, vielfältig, kraftvoll und immer mit großen Überraschungen.

Seit zwei Wochen nun ist das neue Album auf dem Markt … und sie überraschen immer noch. „No Line On The Horizon”. Der Titelsong ist zugleich Opener des Albums und lässt einem vor Staunen den Mund aufklappen. Ein Rocker mit einem schier unglaublich kräftigen Gesang von Bono. Man fragt sich wo die Band nach diesen vielen Jahren noch immer diese Power her nimmt. Die Mischung aus Radiotauglichkeit und Innovation macht diesen Song aus. Obwohl es neu klingt ist U2 eindeutig zu erkennen. Gerade das ist das Überraschende. Beim ersten Hören denkt man: „Das ist doch U2! Das ist ja Hammer!“ Es ist klar, warum Kritiker auf der ganzen Welt vor Lob geradezu explodieren.

Das gleiche gilt für den zweiten Song des Albums: „Magnificent“. Der Beginn geradezu überwältigend, entwickelt sich der Track zu einem klassischen U2-Song, der stark an „The Joshua Tree“-Zeiten erinnert. Dennoch frisch arrangiert mit einer schönen Melodie und ebenso überzeugendem Gesang.

U2 Bono

Bei „Moment Of Surrender“ ist es wieder Bono, der gesanglich unglaublich stark den Titel trägt. Eine Fast-Ballade die ganz auf Bonos Gesang zugeschnitten ist. Man fragt sich ob er diesen Song auf der Bühne auch so hinbekommt. In den letzten Jahren hatte er doch bei Live-Auftritten bei einigen seiner alten Hits ein paar Probleme in die gleichen stimmlichen Höhen wie damals zu kommen. Doch auf CD klingt er göttlich.

Beim „Unknown Caller“ mischen sich verschiedene Stile und Anleihen anderer Bands. Ein wenig Beatles, ein wenig Genesis, doch eindeutig U2. Das Schlagzeugspiel von Larry Mullen lässt aufhorchen und The Edge mischt die „U2-Gitarre“ mit anderen. Ein abwechslungsreiches Stück. Qualitativ auf höchstem Niveau.

Unglaublich gut auch „I Go Crazy If I Don’t Go Crazy Tonight“. Zuerst war ich an “Where The Streets Have No Name” erinnert, doch je länger der Song läuft um so mehr gleitet er in eine schnelle Nummer im typischem U2-Sound. Das heißt jedoch nichts Schlechtes. Im Gegenteil! Hier können sich einige Newcomer-Bands, die mit Eintagsfliegen die Charts unsicher machen, eine ganz fette Scheibe abschneiden.

Die erste Singleauskopplung „Get On Your Boots” hingegen ist so untypisch U2, dass es einem die Sprache verschlägt. Ein verrückter Song bei dem man nicht weiß wo man landet. Man sucht eine bekannte Linie, doch in Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Brücke scheint man nur musikalisches Wirrwarr wahrzunehmen, zusammengeschweißt durch Rockgitarre und Bono. Es ist Hammer!

Auch „Stand Up Comedy“ lässt dem Hörer keine Pause. Die Gitarre rockig aber nicht schwerfällig. Geradezu leichtfüßig tänzelt die Band durch den Song, ein Hörvergnügen. Was haben die vier älteren Herren genommen um so gut zu sein? Fast beängstigend.

Der Anfang von „Fez-Being Born“ holt uns schließlich wieder etwas auf die Erde zurück. Ein experimenteller Beginn, der schließlich nach ca. einer Minute wieder in U2 mündet. Zwar rockig, zwar kraftvoll, dennoch ein wenig beruhigend nach der bisherigen Achterbahnfahrt des Albums. Auch Bono erscheint hier etwas zurückhaltender als ob er Kraft tankt für den Rest des Albums.

Mit „White As Snow“ wird es ganz ruhig. Passend zum beeindruckenden Text schafft U2 hier eine Ballade die so ganz anders ist als zum Beispiel das berühmte „One“. Dennoch mitreißend. Es packt den Hörer, Gänsehautgarantie. Danke Bono

Ein “Fast-Schlagzeug-Solo” am Anfang von „Breathe“ zeigt dass Larry Mullen noch Feuer unter dem Hintern hat. Gesanglich erinnert der Song etwas an Bob Dylan. Ein Sprechgesang von Bono, auch eher selten. Schnell ist der Song. Abwechslungsreich und überraschend. Wirklich gelungen.

„Cedars of Lebanon“ verabschiedet uns von „No Line On The Horizon“. Politisch und eindringlich. Bono klingt etwas predigend. Er erzählt uns eine Geschichte und man hört gebannt zu. Musikalisch nicht das stärkste Stück, doch darauf kommt es hier nicht an. Die Geschichte ist es die uns fesselt.

Zusammenfassend ist ein Superlativ angebracht. Ein Meilenstein für U2. Für mich das Album des Jahrzehnts. Nichts hat mich in den müden 2000er Jahren musikalisch so vom Hocker gerissen wie „No Line On The Horizon“. Selbst für Leute die keinen Rock mögen ist dieses Werk ein Hörgenuss. Die Älteren unter uns schwellen stolz die Brust und denken „Die Helden unserer Jugend sind noch immer stark“ und für die Jüngeren sei gesagt: Hört euch dieses U2-Album an und seit ebenso stolz in einer Zeit zu leben, in der U2 kein Abklatsch ihrer alten Erfolge sind, sondern am Puls der populären Musik mitwirken. Während Britney mopsgleich über die Bühnen der Welt tänzelt und Eminem mit peinlichen Texten Kopfschütteln verursacht, zeigt eine Band aus den längst vergangenen 80er Jahren, dass Qualität auch immer wieder in neuem Gewand daherkommen kann. Es geht noch was! Gratulation an U2.

Bilder von Janesalive von Flickr unter folgender Lizenz und von elicrisko von Flickr unter folgender Lizenz

Post to Twitter Tweet This Post

Ähnliche Artikel
Schlagworte: , , , ,

Sasch gibt dem neuen U2 Album "No Line On The Horizon" den Titel: Album des Jahrzehnts
Alle Artikel von Sasch

1 Kommentar »

  1. Ich stimme dir voll zu. U2 sind einfach Spitze. Das ist echter Rock’n Roll von Anfang an.

Hinterlasse einen Kommentar