Wer “Jones” heißt: Bitte zum Comeback melden!
Von Sasch • 13. Januar 2009 • Kategorie: Artikel des Monats
Natürlich ist dem Musikmagazin „Mr. Jones Times“ das Comeback zweier besonderer Musiker ein Artikel des Monats wert. Musiker, die auch „Jones“ heißen.
Zum einen ist da Grace Jones, die nach 20 Jahren erstmalig wieder ein Album vorlegt. Zum anderen können wir uns über das Comeback von „The Tiger“ Tom Jones freuen. Seine markante Stimme trägt ihn seit über vier Jahrzehnten durch eine unglaubliche Musikkarriere. Dieser Artikel wird nicht ausführlich auf die neuen Alben eingehen, sondern vielmehr versuchen die beiden Jones’ gegeneinander zu stellen.
Beginnen wir mit Grace Jones. Einst war sie eine Schwulenikone der New Yorker Club-Szene der 70er Jahre. Heute mit 60 scheint sie für viele Jüngere ein Wesen aus einer anderen Welt zu sein. Ihre extravagante Kleidung und eigentümlicher Lebensstil ist ein Überbleibsel des Glamour vergangener Zeiten. „Slave To The Rhythm“ war ihr größter Hit und selbst als Bond-Girl setzte sie Maßstäbe.

Tom Jones hingegen war eher bodenständiger. Als Staubsaugervertreter wurde er nicht glücklich und begann schon in den frühen 60er Jahren mit Gesang. Ihn zeichnete stets der unverwechselbare Klang seiner Stimme und der für mich unergründliche Sex-Appeal aus. Seine musikalische Vielschichtigkeit hat ihm immer wieder Hits beschert, auch wenn sie manchmal etwas mit Peinlichkeit einher kamen. Denn mit 59 Jahren noch einen Song mit dem Titel „Sexbomb“ herauszubringen, ließ wohl viele Luftnot bekommen. Er besingt in diesem Song zwar eine Frau mit dieser Bezeichnung doch uns allen war klar: Er meinte sich selbst damit.
Grace Jones wurde 1948 auf Jamaika geboren. Als Tochter eines Predigers wuchs sie in einer eher lockeren Atmosphäre auf. Erst in der Mitte der 60er Jahre kam sie in das etwas „strengere“ New York. Als einzige schwarze Frau an der Highschool hatte sie es nicht gerade einfach, doch sie setzte sich durch, sie machte einfach was sie wollte.
Tom Jones, 8 Jahre älter, kam im beschaulichen Wales zur Welt. Über das biedere, monarchische Großbritannien der 40er Jahre ist man sicher im Bilde. Streng erzogen schlug er sich später mit Gelegenheitsjobs durch. Musikalisch motiviert und beeinflusst wurde er von dem neu aufkommenden Sound der USA in den 50er Jahren. Elvis Presley, der später auch mit Tom befreundet war, brachte eine regelrechte musikalische Revolution ins Rollen. Auch britische Künstler beeindruckten Tom, besonders wenn sie eine große Stimme hatten. Aber zu einem Rebell wurde Tom nie. Seine Songs waren eher beschwingter Soul.
Grace Jones hingegen wurde stark von der Disco-Ära der 70er Jahre inspiriert. Auch ihre Stimme ist einprägsam: dunkel, etwas rauchig und stets sexy eingesetzt. Ein bekanntes, frühes Stück von ihr war „La Vie En Rose“. Im Gegensatz zu Tom setzte Grace musikalisch eher ruhigere Zeichen, brauste jedoch mit ihrem Lebensstil oft auf. Tom jedoch schrie sich so manches mal die Seele aus dem Hals. Tom wäre es aber nie im Traum eingefallen so wie Grace in einem Gorilla-Kostüm aufzutreten. Für ihn war ein schlichtes Hemd wichtiger. Allerdings muss man dabei erwähnen, dass er es oft ziemlich weit aufknöpfte um seine stark behaarte Brust zur Schau zu stellen. Selbst aus den Hosen ließ er sich die Taschen entfernen um sie möglichst eng tragen zu können. Kreischende, weibliche Fans dankten es ihm. Inzwischen ist er fast 70 Jahre alt und trägt Anzüge. Grace jedoch behängt sich nach wie vor mit allem, was sie in die Finger bekommt.
„Hurricane“ heißt das neue Album von Grace Jones. Sehr bezeichnend für sie selbst, auch wenn es eher schwach ausfällt. Bereits der erste Song „This is“ ist für mich der Höhepunkt des Albums. Der Rest ist eher eine Gähn-Vorstellung und lässt die nötige Innovation deutlich vermissen. Jetzt wissen wir warum sie sich 20 Jahre Zeit gelassen hat: Ihr fällt nichts mehr ein.
Tom Jones aber brettert wieder richtig los. Er scheint mehr Energie als Grace zu besitzen. „24 Hours“ heißt die Scheibe und geht back to the roots. Frei von Peinlichkeiten, wie das einstige „Burning Down The House“, setzt er wie gewohnt auf seine mächtige Stimme und gute Rhythmen. Der Opener des Albums „I’m Alive“ erinnert uns daran, dass es ihn noch immer gibt und das stärkste Stück ist wohl „Feels Like Music“.
Wenn ich eine Empfehlung für ein Album geben müsste, dann würde ich Tom Jones nennen. Es ist einfach interessant den alten Tiger mit neuen Songs zu hören. Grace Jones aber zieht mich mit ihrem Album nicht wirklich in ihren Bann. Lieber höre ich „Slave To The Rhythm“ und trauere ihren besseren Zeiten hinterher.
Bild von LoopZilla von Flickr unter folgender Lizenz
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