Mr. Jones Times



Metallica – Death Magnetic

Von Sasch • 26. Oktober 2008 • Kategorie: Reviews

Metallica

Das erste mal auf Metallica aufmerksam wurde ich 1988. Der Song hieß „One“ und gehört bis heute zu meinen Favoriten dieser Band. Ein Anti-Kriegs-Song, der dennoch aggressiv und wütend klingt. Mit E-Gitarren wurden Maschinenpistolen nachgeahmt. Ein Song, der sich so sehr in das Gehirn einfrisst, dass seine Wirkung immer anhalten wird. Der Text bezieht sich auf den Roman „Johnny zieht in den Krieg“ von Dalton Trumbo aus dem Jahre 1939. „One“ ist deshalb so eindrucksvoll, weil es mehrere Stilelemente in sich vereint. Es beginnt wie eine Ballade und endet in einem Gitarren-Gewitter. Ergebnis: großer kommerzieller Erfolg, der erste Grammy und Platz 7 auf der Liste von „Best Guitar Solo“ von Guitar World.
Metallica gründete sich 1981 in Los Angeles. Mit inzwischen zehn veröffentlichten Studioalben und über 100 Millionen verkauften Tonträgern gehören sie in den Olymp der Metal-Bands. Sie haben den Verlauf des Heavy-Metals entscheidend mitgeprägt und haben bisher an ihrer Qualität nichts eingebüßt. Stilelemente wie Rock und Blues ließen sie ebenso in ihre Musik einfließen. Auch die immer wieder vollzogene Rückkehr zum echten Heavy (Trash) Metal hielten sie an der Spitzenposition. Sie gehören zu den wenigen Metal-Bands die ungeheuren kommerziellen Erfolg hatten und ihre Fangemeinde über die Grenzen der Metal-Szene ausdehnen konnten. Während der breiten Öffentlichkeit oft nur die Rock-Balladen einer Metal-Band im Gedächtnis bleiben, hat es Metallica geschafft auch mit ihrem harten Sound die breite Masse zu erreichen. Einen großen Anteil daran hatte das Album „Metallica“, auch „schwarzes Album“ genannt von 1991. Neben der ultimativen Ballade „Nothing Else Matters“ (erfolgreichster Hit der Band), sind auch „Enter Sandman“ und „Sad But True“ zu Hymnen aufgestiegen.
Am 12. September 2008 wurde nun „Death Magnetic“ veröffentlicht. Nach fünf Jahren Pause ein neues Studio-Album, dass wieder zu beeindrucken weiß.
Das Album beginnt mit einem Herzschlag, und die einsetzende Gitarre erinnert an „One“. Doch nach ca. 45 Sekunden geht es richtig los. „That Was Just Your Life“ lässt den Hörer sofort wissen: Metallica ist wieder da. Wild, rau, ehrlicher, harter Metal, ganz nach altem Muster. Da ist sie wieder: die Rückkehr zu den Wurzeln.
„The End Of The Line“ setzt den ersten Song musikalisch fort. Es kracht, fetzt, und der Gesang setzt erst nach einer Minute ein. Der Gesang ist übrigens typisch Hetfield. Er hat nichts eingebüßt von Kraft und Wirkung.
„Broken Beat & Scared“ zeigt als dritter Song, dass Metallica tatsächlich bei diesem Album nicht an Experimenten interessiert war. Der rote Faden wird auch hier weiter gezogen. Man wird eindeutig darauf hingewiesen: Mainstream ist nicht!!! Wir sind Metallica!! Also erwartet keinen musikalischen Waschgang mit Weichspüler:
„The Day That Never Comes“ ist die erste Single-Auskopplung dieses Albums. Eine gute Wahl. Der Song kommt anfänglich langsamer daher und führt den Hörer an die Härte des Songs heran. Metallica hat eine Menge reingepackt in diesen Song. Zeit genug ist ja mit fast 8 Minuten. (Kein Song des Albums bleibt unter 5 Minuten, kaum einer unter 7). Ein herrliches Stück, das gegen Ende geradezu aufwühlt. Das Gitarren-Solo erinnert wieder an „One“. Ausgezeichnet.
Als nächstes lässt uns „All Nightmare Long“ erzittern. Hier hält es mich kaum auf dem Stuhl. Ich war nie ein leidenschaftlicher Headbanger, aber der Kopf beginnt automatisch zu wippen bei diesem Song. Gesanglich ist Hetfield hier ungemein stark und auch Lars Ulrich zeigt am Schlagzeug was er kann. Ein unglaublich guter Song, der mir bisher am besten gefällt. Oh my god!!! I’m a fan!!!
“Cyanide” knallt gleich weiter. Je länger das Album läuft umso mehr Lust bekommt man es zu hören. Fast stehen mir die Tränen in den Augen. Wie sehr man manchmal Trash braucht bekommt man gar nicht mit. Neben all dem Dance-Müll im Radio, den immer gleichen Balladen und peinlichen „Superstar-Ausrutschern“ tut dieses Album gut. Metallica zeigt sein altbekanntes Können Es klingt neu aber dennoch alt. Faszinierender Mix.
WAS IST DAS??? Piano? Geigen? Wo sind wir? Willkommen zu „The Unforgiven III“. Die Erfolgsgeschichte von „The Unforgiven“ ist lang. Beginnend mit dem Jahrhundertsong von 1991 erfährt er nun die zweite Fortsetzung. Getragen fängt der dritte Teil an. Auch der mit Gitarren- und Gesangsteil kommt etwas langsamer daher, doch der Song steigert sich. Die letzten beiden Minuten brennen schließlich das Feuerwerk vollständig ab und bringt es zum ruhigen Ende.
„The Judas Kiss“ lässt uns nicht die jetzt benötigte Atempause. Es kracht, aber ich erkenne, dass hier der Funken nicht überspringen will. Dieses Stück fällt etwas zurück. Etwas zu sehr Metallica. Nicht schlecht, aber auch nicht vom Hocker reißend. Aber der Höhenflug kann auch auf einem Spitzen-Album nicht immer anhalten.
Als vorletztes erscheint „Suicide & Redemption“ auf der Bildfläche. Es beginnt abwechslungsreich und interessant. Nach zwei Minuten jedoch fragt man sich…wo bleibt der Gesang? Als er selbst nach drei Minuten nicht kommt setzt Langeweile ein. Ein zehnminütiges Instrumentalstück. Die Abwechslung vom Anfang des Songs verpufft. Daran ändert auch nichts der kurze, ruhige Mittelteil des Songs. Als Albumfüller nicht geeignet und unnötig. Vielleicht wäre das eine Stelle für eine geile Cover-Version gewesen.
„My Apocalypse“ ist der Abschluss des Albums. Hier langen Metallica noch einmal richtig zu. Schnell, laut, heftig, geil. Ein richtiger Hammer. Man hat das Gefühl die Band möchte Zum Schluss erneut beweisen, dass sie die Größten sind. Brauchen sie nicht. Das wissen wir auch so….

Zusammengefasst muss man sagen, dass es sich um ein ungeheuer kraftvolles und starkes Album handelt. Gratulation an die Herren. Eine breite Masse erreichen sie damit zwar nicht, aber das brauchen sie auch nicht. Metallica bleibt Metallica. Mehr müssen wir nicht wissen um sie zu lieben.

Als Einstieg das Video zur Single “The Day That Never Comes”
Medium: de.youtube.com
Link: de.youtube.com

Bild von Orcoo von Flickr unter folgender Lizenz

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