Mr. Jones Times



Klub 27 – Mythos oder Spinnerei?

Von Sasch • 13. August 2008 • Kategorie: Artikel des Monats

Klub 27

Viel ist bereits über den Club 27 geschrieben worden, doch nie fand ich eine komplette Liste aller Mitglieder. Entweder fehlten einige wichtige Musiker oder es standen falsche Namen dabei.
Was ist der Club 27? Er ist kein Märchen sondern ein auffälliges Phänomen, das zu Beginn der 70er Jahre entdeckt wurde. Als Club 27 (oder auch 27 Club) bezeichnet man die Gemeinschaft der Pop- und Rock-Musiker, die im Alter von 27 Jahren verstarben. Im ersten Augenblick könnte man denken es sei eine Erfindung von windigen Journalisten, die mal wieder eine nette Story für ihr Blatt zimmern wollten. Doch wenn man sich die lange Liste der Mitglieder des Club 27 anschaut kommt man zu der Erkenntnis, dass ein Leben als Star-Musiker oft bis zum 30. Lebensjahr so anstrengend und exzessiv sein kann, dass es dazu führt das Leben zu verlieren. Erfolg fordert seinen Tribut, das sehen wir bis heute. Drogen, Alkohol, Sex… Erfolg macht süchtig und kann auch das Ende bedeuten. Psychisch und physisch verlangt der Titel “Superstar” viel ab.
Als „Gründungsmitglied“ des Club 27 wird Brian Jones angesehen. Als Gitarrist der Rolling Stones wurde er weltberühmt. Bei den Fans hatte er stets eine wichtige Stellung in der Band, doch in Wirklichkeit verlor sich sein Einfluß auf die Musik der Stones mehr und mehr. Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts beschlossen Jones aus der Gruppe zu entfernen. Bis heute wird Jagger nachgesagt er sei neidisch auf Brian Jones’ Ansehen bei den Fans gewesen. Brian Jones wurde kaltgestellt, mit Geld abgefunden. Keine vier Wochen nach der offiziellen Trennung von der Band ertrank Brian Jones aus bis heute ungeklärter Ursache in seinem Swimmingpool. Natürlich gibt es viele Gerüchte darüber. Es geht von Drogeneinfluss bis Mord. So soll zum Beispiel der Bauunternehmer Frank Thorogood kurz vor seinem eigenen Tod den Mord an Brian Jones gestanden haben. Thorogood war am Todestag von Jones in dessen Haus zu Gast und soll sich allein mit Jones im Swimmingpool befunden haben, als dieser ertrank. Motiv könnte geschuldetes Geld gewesen sein. Belegt ist davon nichts außer der Tatsache: Brian Jones war 27 Jahre alt als er am 2. Juli 1969 starb.

Jimi Hendrix war einer der berühmtesten Gitarristen der Rock-Geschichte. Sein mitreißendes Gitarrenspiel, der unverwechselbare Gesang und seine damals skandalösen Bühnenauftritte machten ihn bereits zu Lebzeiten zu einer der aufsteigenden Legenden des neuen Musikstils der sich “Rock” nannte. Berüchtigt wie seine Musik war auch sein Lebenswandel. Alkohol floss in Strömen und Drogen gehörten zur Grundnahrung. Persönlichkeitswandlungen gehörten ebenso zu Jimi Hendrix wie auch am Ende die negativen Auswirkungen seines Drogenkonsums auf seine Konzerte. Am Morgen nach einer Konzertnacht verstarb Hendrix in einem Londoner Hotelzimmer, in dem er die Nacht mit seiner Freundin verbrachte. Die Autopsie ergab Erbrochenes in seiner Lunge und Schlaftmittel und Alkohol im Blut. Das Ende von Hendrix war absehbar, doch natürlich gab es auch hier Gerüchte es sei Mord gewesen. Aber auch die Wiederaufnahme der polizeilichen Ermittlungen, 23 Jahre später, ergab kein Fremdeinwirken. An seinem Todestag, den 18. September 1970, war Jimi Hendrix 27 Jahre alt.

Die Welt trauerte noch um Hendrix als Janis Joplin nur 16 Tage später folgte. Sie gehörte auch zu den Ikonen der Hippie-Zeit und lebte die Parole “Sex & Drugs & Rock ‘n’ Roll” voll aus. Begnadet war ihre Stimme und ihre Aura, doch innerlich war sie zerrissen, unzufrieden und depressiv. Heroin, Kokain, Alkohol… eigentlich alle Drogen die zur Verfügung standen konsumierte sie exzessiv. Auch sie wurde schließlich in einem Hotelzimmer tot aufgefunden, am 4. Oktober 1970. Wie alt sie wohl war? Richtig: 27 Jahre!

Jim Morrison wurde von vielen Menschen als Gott angesehen. Seine Texte und sein Gesang machten seine Band The Doors zu einer bis heute unerreichten Musikgruppe, die sich auf der Bühne auch als Rocktheater verstand. Erfolg, Wahnsinn, Genialität und Skandale prägten das kurze Leben einer Ausnahmefigur in der Musikgeschichte. Sein Selbstzweifel war stets Nahrung für seine Texte, seine Perfomance aber auch für seine Verfehlungen. Er agierte immer am Rande des “guten Geschmacks” und provozierte. Ob er nun in dem Song “The End” davon erzählte wie er seine Mutter ficken will, oder bei einem Konzert auf offener Bühne seinen Schwanz aus der Hose holte … er spaltete die junge Generation, die ihn göttlich fand, von der älteren Generation, die von Morrison geschockt war. Auch Jim Morrison konsumierte die härtesten Drogen und Unmengen von Alkohol. Am Ende seines Lebens war er von einem bildhübschen Mann zu einem aufgequollenen Untier mutiert. Auch sein Ende war in gewisser Weise abzusehen. Über seinen Tod jedoch gibt es bis heute widersprüchliche Aussagen. Offiziell heißt es, seine Lebesgefährtin hätte ihn am 3. Juli 1971 tot in der Badewanne ihrer Pariser Wohnung aufgefunden. 2007 erschien jedoch das Buch einer Pariser Nachtclubbesitzers und dieser behauptet darin, Morrison sei bereits in diesem Nachtclub auf der Toilette verstorben und nachträglich in die Wohnung seiner Lebensgefährtin gebracht worden. Daran beteiligt war angeblich auch Marianne Faithfull. Warum fragt man sie nicht einfach ob das stimmt? Es stimmt allerdings, dass Jim Morrison zum Zeitpunkt seines Todes 27 Jahre alt war.

Es folgten im Laufe der Jahre weitere Musiker, die man diesem Club 27 zurechnen kann. Das prominenteste Beispiel der letzten Jahre war unzweifelhaft Kurt Cobain. Seine Band Nirvana gehörte zu den Begründern des “Grunge” und lieferte mit dem Album “Nevermind” und dem daraus erschienenen Song “Smells Like Teen Spirit” die Hymne einer ganzen Generation. Ablehnung des Establishment, Ablehnung von Kommerz und Konsum waren einige der Aussagen des Lebens und musikalischen Wirkens Cobains. Er gehörte zu der Art Musiker, die in diesem Artikel bereits beschrieben wurden. Mega-Erfolg aber innerlich zerrissen, depressiv, zweifelnd an sich und der Welt. Seine Heroin-Sucht mag nur ein Ausdruck dafür gewesen sein. Ein chronisches Magenleiden und der Griff zum Alkohol war ebenso Ausdruck psychischer Belastungen. Eine dreifache Überdosis Heroin und der Kopfschuss aus einer abgesägten Schrotflinte war schließlich das Ende Cobains. Ob es Selbstmord war wird zwar angenommen, doch auch hier blieben offene Fragen. Warum wird Cobain erst drei Tage nach der Vermisstenanzeige seiner Mutter in der Garage seines Hauses gefunden? Wie kann es sein, dass man nach einer starken Dosis Heroin, die zu sofortigen Bewusstseinsverlust führen müsste, noch in der Lage ist sich eine Schrotflinte vor den Kopf zu halten und abzudrücken? Warum gaben die anderen Bandmitglieder von Nirvana erst fünf Jahre später bekannt, dass sich die Band bereits vor dem Tod Cobains auflöste? Welche Rolle spielte Cobains Frau Courtney Love in dieser ganzen Geschichte? Eine Frage ist jedoch beantwortet: Die Frage nach Cobains Alter. Er war 27 Jahre alt, als er am 5. April 1994 starb.

Ich habe lange recherchiert um eine möglichst vollständige Liste der Mitglieder des Club 27 zu erstellen, chronologisch nach Sterbedatum. Musiker wie Shannon Hoon oder Jeff Buckley gehören nicht dazu, weil sie jünger oder älter waren.

Hier nun die Liste:

Louis Chauvin, 1881-1908, afrikanisch-amerikanischer Ragtime-Musiker

Robert Leroy Johnson, 1911-1938, Bluesmusiker

Jesse Belvin, 1932-1960, R&B Musiker und Komponist

Rudy Lewis, 1937-1964, Mitglied der R&B Gruppe „The Drifters“

Malcolm Hale, 1941-1968, Mitglied der amerikanischen Folk-Rock Band „Spanky & Our Gang“

Brian Jones, 1942-1969, Gitarrist „The Rolling Stones“

Alan „Blind Owl“ Wilson, 1943-1970, Mitglied der amerikanische Blues-Band „Canned Heat“

Jimi Hendrix, 1942-1970, Blues- und Rockmusiker, Gitarrist, Sänger

Janis Joplin, 1943-1970, amerikanische Sängerin und Songwriterin

Jim Morrison, 1943-1971, Sänger und Songwriter der amerikanischen Rockband „The Doors“

Arlester „Dyke“ Christian, 1943-1971, Sänger der Buffalo Band “Dyke & The Blazers”

Les Harvey, 1945-1972, Gitarrist der schottischen Rockband „Stone The Crows“

Ron “Pigpen” McKernan, 1945-1973, Musiker und Sänger der Gruppe “The Grateful Dead“

Roger Durham, 1946-1973, Percussionist der R&B, Funk und Soul Gruppe „Bloodstones“

Dave Alexander, 1947-1975, Bassist der Protopunk-Band „The Stooges“

Pete Ham, 1947-1975, Sänger, Songwriter und Gittarist der walisischen Band „Badfinger“

Gary Thain, 1948-1975, Bassist der englischen Rockgruppe „Uriah Heep“

Helmut Köllen, 1950-1977, Sänger und Bassist der deutschen progressive-Rockband „Triumvirat“

Chris Bell, 1951-1978, Sänger, Songwriter und Gitarrist der Power Pop-Gruppe „Big Star“

D. Boon, 1958-1985, Gitarrist und Vocalist der amerikanischen Punk Rock Band „Minutemen“

Pete de Freitas, 1961-1989, Schlagzeuger der Ban „Echo & The Bunnymen“

Mia Zapata, 1965-1993, Sängerin der Seattle Punk Band „The Gits“

Kurt Cobain, 1967-1994, Sänger, Gitarrist und Songwriter der Seattle Grunge und Rock Band „Nirvana“

Kristen Pfaff, 1967-1994, Bassistin der Seattle Band “Hole“

Fat Pat, 1970-1998, Rapper und Gründungsmitglied von „DJ Screw’s Screwed Up Click“

Freaky Tah, 1971-1999, New Yorker Hip Hop Musiker

Sean Patrick McCabe, 1973-2000, Sänger der Punk Band “Ink & Dagger”

Moses Taiwa Molelekwa, 1973-2001, Südafrikanischer Jazz-Pianist

Jeremy Michael Ward, 1976-2003, Gitarrist der Band “The Mars Volta”

Bryan Ottoson, 1978-2005, Gitarrist der Heavy-Metal Band “American Head Charge”

Bild von medium as muse von Flickr unter folgender Lizenz

Post to Twitter Tweet This Post

Ähnliche Artikel
Schlagworte: , , , , , , , , , , ,

Sasch gibt dem neuen U2 Album "No Line On The Horizon" den Titel: Album des Jahrzehnts
Alle Artikel von Sasch

11 Kommentare »

  1. Ich finde deinen Beitrag große Klasse. Ich habe auch versucht mehr über diesen Klub 27 herauszufinden, habe aber über Wikipedia nur einen Link auf die Homepage eines gewissen Hollier gefunden. Das Phenomen interessiert mich und stößt mich gleichzeitig ab (bin froh kein Rockmusiker zu sein). Auf oben genannter Homepage sind auch noch die Todesursachen angegeben. Da bin schon etwas beruhigter. Sowas könnte mir nicht Passieren unter normalen Umständen(bin LKW Fahrer). Ich wünsch dir viel Erfolg bei weiteren Recherchen und verbleibe mit lieben Grüßen. Steffen

  2. Danke Steffen für das Lob. Ja, es stimmt, die Todesursachen sind sehr verschieden. Während Louis Chauvin 1908 noch an einer Geschlechtskrankheit starb, sind im Laufe der Jahre die unterschiedlichsten Todesursachen dazugekommen. Vom Stromschlag auf der Bühne bis zum Mord war fast alles dabei. Natürlich waren Alkohol und Drogen verstärkt die Ursache für das frühe Ableben. Offensichtlich ist der Traum ein Superstar zu sein eher ein Albtraum. Robbie Williams hat das gespürt, und auch Amy Winehouse oder Britney Speares haben größte Schwierigkeiten ihr Leben unter Kontrolle zu halten. Da ist die Bodenhaftung auf dem Bock sicher wesentlich stärker. Dir alles Gute, Steffen…und schau mal wieder rein :o)

  3. Hi Sasch,

    schöner Artikel, hab vor ca. einer Woche ebenfalls ein bisschen bezüglich des Klub 27 recherchiert und stieß auf folgende Seite:

    http://the27s.com/

    gefiel mir ziemlich gut, kannst du noch son paar 27s finden ;)

    Liebe Grüße

    Moofi

  4. achso, im Zuge der Recherche fand ich noch den Hinweis, das Phänomen trete angeblich ebenfalls bei WIssenschaftler auf, hatte die Spur allerdings nicht mehr weiter verfolgt.

  5. Wow, danke Moofi, die Seite die du mir angegeben hast ist fantastisch aufgemacht. Echt sehr sehenswert. Auch neue Namen habe ich entdeckt…ich prüfe die allerdings vorher nocheinmal, weil in vielen Listen auch Musiker stehen die älter oder jünger waren…oder bei denen die Geburts- und Sterbedaten nicht stimmten. Ich werde in den nächsten Tagen das mal etwas genauer untersuchen :o)
    Liebe Grüße, Sasch

  6. Ich habe auch über die 27 rechachiert bin aber auf kein gutes ergebnis gekommen diese seite hier hat mir danns chon mehr veraten

    danke dafür

  7. Dein Artikel hat mir für eine Arbeit im Seminarkurs in der Schule wirklich weitergeholfen! Ich behandle das Thema “Verarbeitung von Tod in Musik” und will darin auch etwas die Erschütterung von Fans über den Tod von Musikern behandeln und dazu wollte ich den Klub 27 mal genauer untersuchen. Dein Artikel ist wirklich super. Gut geschrieben und faszinierend. Danke für deine Hilfe ^^

  8. hallo BloodshotEye. Wenn Du Deine Seminararbeit fertig hast können wir sie vielleicht hier veröffentlichen. Dürfte interessant sein. Melde dich ruhig. Gruß, Sasch

  9. Was ist mit Jean-Michel Basquiat???

  10. haai! echt spitze der artikel. hab mich schon länger für diese “phänomen” interssiert. nun habe ich auch erfahren, dass es auch bei schrifstellern mit 27 jahren geendet hat wie bsp:georg trakl… nun wollte ich fragen, ob jemand bescheid weiß, ob es auch philosophische/psychologische grundlagen gibt?!
    lg katha:)

  11. hallo :)

    Ich habe eigentlich auch vor eine seminararbeit zum thema “club 27″ oder sowas zu machen. ich hab gehört, dass es dazu aber noch eine legende geben soll, vonwegen dass diese musiker in ein spezielles paradies kommen sollen oder so. hat dazu noch jemand infos? wäre klasse, wenn ihr mir ggf. per mail antworten könntet: fernanda.huebner@web.de

Hinterlasse einen Kommentar