Mr. Jones Times



James Bond – Eine Filmreihe macht Musik

Von Sasch • 09. Mai 2008 • Kategorie: musikolös

James Bond

Für viele ist es nicht nur interessant zu erfahren wer bei dem neuen „Bond“ das Bond-Girl spielt, oder wer als Fiesling am Ende des Films den Tod findet, sondern: „Wer macht den Titelsong?“. In der Tat sind in den fast fünf Jahrzehnten des „Bond“ etliche Hits entstanden, die zum Teil qualitativ enorm ansprechend waren und zu großen Hits wurden.
Um die wichtige Eingangsfrage gleich zu beantworten: Es sollte zuerst Amy Winehouse sein. Das nette Mädel, das gerne vollstoned in Unterwäsche durch London irrt, sollte den Titelsong des neuen „Bond“ (Quantum Of Solace) komponieren und singen. Natürlich wären wir gespannt gewesen was dabei herauskommen wäre. Ich hätte eine Wette abgeschlossen: Es wäre wieder der gewohnte Bond’sche Bombast-Sound gewesen gepaart mit einer kreischenden Bassey-Imtitation in der Winehouse-Methode. Doch aufgrund ihrer Skandale und gesundheitlichen Probleme hatte sich das schnell erledigt. Anschließend war Leona Lewis im Gespräch. Doch auch bei ihr würde ich die gleiche Wette abschließen. Inzwischen ist es amtlich: singen werden Jack White und Alicia Keys. Bei dem Namen Jack White zuckt man erstmal zusammen. Ist das nicht dieser Produzent der von Audrey Landers über David Hasselhoof bis Tony Marshall alles produzierte was peinlich ist? Keine Angst, es ist ein anderer Jack White. Als Sänger und Gitarrist der amerikanischen Rockband The White Stripes ist er durch den Song “Seven Nation Army” groß herausgekommen. Alicia Keys hingegen gehört zu einer ganz anderen Liga. Als Soul und R&B Sängerin ist sie sehr erfolgreich. “Another Way To Die” wird der Bond-Titelsong heißen. Wir sind gespannt.

Doch schauen wir einmal zurück…
Es begann 1962 mit „James Bond jagt Dr. No“. Titelsongs als Vermarktungshilfe für einen Film waren zu dieser Zeit noch nicht üblich. Die Promotion lief anders ab, aus heutiger Sicht fast mittelalterlich. Das konnte dennoch nicht verhindern, dass die musikalischen Elemente eines Films im Gedächtnis des Publikums hängen blieben. Einige berühmte Beispiele aus der Zeit davor waren sicherlich „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Dr. Schiwago“ oder auch der nervenzerreißende Sound aus der Dusch-Szene von Hitchcocks „Psycho“. So kam es schließlich auch bei „James Bond“. Das James-Bond-Thema des ersten Films wurde zum Markenzeichen der Filmreihe, bis heute, und bei dessen Hören weiß jedes Kind um was es sich handelt. Also dachten sich die Macher des „Bond“ beim zweiten Film „Liebesgrüße aus Moskau“ , dass ein gesungener Titelsong ausprobiert werden könnte. Zugegeben: nur noch eingefleischte Bond-Fans kennen „From Russia With Love“ von Matt Monroe (wer zur Hölle ist das?). Doch was beim zweiten Film floppte donnerte 1964 umso mehr. Shirley Bassey sang den Bond-All-Time-Klassiker schlechthin: “Goldfinger”. Plötzlich war „Bond“ in den Top-Ten der britischen und amerikanischen Charts vertreten. Es war auch die Geburtsstunde des typischen Bond-Sounds, der in den folgenden Jahrzehnten teilweise bis zum Erbrechen immer wieder benutzt wurde um den dramatischen Schwung des Films in die Musik zu kopieren. Unzählige Hits folgten: Tom Jones “Thunderball”, Nancy Sinatra “You Only Live Twice” und Shirley Bassey “Diamonds Are Forever” aus den ersten Jahren.
1973 kam schließlich ein ähnlicher Knaller wie „Goldfinger“. Es war eine Sensation als bekannt wurde, dass der Ex-Beatle Paul McCartney mit seiner Band „The Wings“ für den Bond-Song verpflichtet wurde. Heraus kam eine regelrechte Explosion eines Songs, der noch heute viele Anhänger hat. „Live And Let Die“ gilt für viele (auch für mich) zum Besten, was in der Filmgeschichte als Titelsong produziert wurde. Andere Musiker zollen diesem Song immer wieder Respekt. Für Woodstock-Veteran Richie Havens ist es „der Song des Jahrhunderts“ und eine der einflussreichsten Rockbands der 80er und 90er Jahre, Guns n’ Roses, coverte den Song und machte ihn wieder zum Hit. Das Original von Paule wurde übrigens mit einer Oscar-Nominierung belohnt.
Die Jahre nach „Live And Let Die“ boten musikalisch eher Schonkost bis 1981 Sheena Easton einen erneuten Knaller in die Charts katapultierte. „For You Eyes Only“, ebenso für den Oscar nominiert, gilt für viele als bester Bond-Titel, was wohl an der gelungenen Mischung vom ruhigen Instrumentalteil des Anfangs, hin zu Steigerung im Mittelteil, gepaart mit der reinen Stimme Eastons zu einem perfekten Gesamtbild verschmilzend liegt. Ein Traum von einem Song, der aber auch wieder die typischen Stil-Elemente von „Bond“ in sich hatte.
Von diesem Erfolg beflügelt versuchte man diese Richtung beim folgenden „Bond“ zu wiederholen. Rita Coolidge schmetterte ihr „All Time High“ in das Mikrofon, doch das Ergebnis konnte sich mit “For Your Eyes Only” nicht messen.
1985 versuchte man etwas neues: Warum sollte man nicht eine angesagte New-Wave-Band engagieren? Es geschah mit Duran Duran. Ich gebe zu: Ich konnte es damals nicht glauben als ich davon hörte. Verkehrte Welt? Das Bond-Girl gespielt von Mannweib Grace Jones und der Titelsong sollte von Poppern mit Fönwelle kommen? Das sollte die Abschiedsvorstellung von Roger Moore werden? Doch es kam tatsächlich so. Zu den Klängen von „A View To A Kill“ fasste Moore im Wasserbottich sitzend der Jones von hinten an die prallen Bälle mit den Worten „Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Mein Name ist Bond. James Bond“. Doch die Kritiker des neuen Bond-Songs sollten bald verstummen, denn Duran Duran schaffte das, was davor und danach niemand mehr schaffte: Nr. 1 der amerikanischen Charts. Es war ein würdiger Song. Durch den Erfolg berauscht war wieder eine Wiederholung geplant: A-ha sollten es beim nächsten Bond-Streifen richten: „The Living Daylights“ hieß das Liedchen, das keinen nennenswerten Eindruck hinterließ. Im Gegenteil. Von A-ha fertig produziert und dem Bond-Team übergeben wurstelte ein Produzent noch daran herum um den typischen Bond-Sound mit Bläsern hinzuzufügen. Morten, Pal und Mags haben es gehasst…und der Rest der Welt auch (außer Heimatland Norwegen: tatsächlich Nummer 1 in der Hitliste).
Die folgenden Songs sind schnell umrissen: Shirley Bassey war wohl zu alt, also nahm man Gladys Knight („Licence To Kill“) und Tina Turner („GoldenEye“) um die alten Zeiten von „Goldfinger“ nochmals aufleben zu lassen. Auch Sheryl Crow mit „Tomorrow Never Dies“ und Garbage mit “The World Is Not Enough” waren eher für den gemütlichen Kino-Sessel geeignet als für einen Knaller im Radio.
Die Geister schieden sich mal wieder bei Madonna. „Die Another Day“ war tatsächlich etwas vollkommen neues in der musikalischen Geschichte des „Bond“. Die Einen verdammten den Song als schlechtesten Bond-Titel aller Zeiten, die Anderen fanden ihn genial. Auch neu war es, dass er tanzbar war und in den Clubs lief. So neuartig der Song war, zeigte sich auch der Film selbst von der modernsten Seite. Vergleicht man Song und Film „Die Another Day“ mit der Gähnvortstellung „Liebesgrüße aus Moskau“ liegen Welten dazwischen. Vielleicht war der Abschied von Pierce Brosnan ein Ruf in eine neue Bond-Ära, die mit Daniel Graig beginnen sollte. Der neue „Bond“ ist blond? Das Titellied ein Rocksong? In der Tat machte Chris Cornell einen rockigen “Bond”. „You Know My Name“ war qualitativ wieder ein Sahnestückchen, fiel beim breiten Publikum jedoch durch. Die Charts nahmen ihn so gut wie nicht wahr.
Was kommt nun? White und Keys als neues Erfolgsduo?

Bild von titlap von Flickr unter folgender Lizenz

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1 Kommentar »

  1. GoldenEye von Tina Turner fand ich sehr sehr gut und nicht nur für den Kinosessel geeignet.
    Ansonsten bin ich gespannt, was die verrückte Winehouse so produzieren wird. Nen Schuss hat sie ja. Geschüttelt, nicht gerührt.
    Heuni

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