Mr. Jones Times



25 Jahre “Thriller”

Von Sasch • 05. Mai 2008 • Kategorie: Reviews

Michael Jackson

Als am 1. Dezember 1982 das neue Album von Michael Jackson das Licht der Welt erblickte war noch nicht klar, welchen Einfluss es auf die moderne Pop-Geschichte nehmen würde.
Der „Rhythm & Blues“ Jacksons der vergangenen Jahre wurde über Bord geworfen. Was sich mit dem Album „Off The Wall“ bereits ankündigte wurde mit „Thriller“ konsequent fortgesetzt. Es klang moderner, einfallsreicher und war eher auf Popmusik aufgebaut. Die erste Single-Veröffentlichung „The Girl Is Mine“ war allerdings eine erste Enttäuschung. Der Umstand, dass Paul McCartney als Duett-Partner bereitstand rettete den Song nicht wirklich. Aber der Rest des Albums strotzte vor Kraft und Innovation: „Wanna Be Startin’ Somethin’“, „Beat It“, „Thriller“ und nicht zuletzt „Billie Jean“ wurden zu Klassikern, die heute, 25 Jahre später, noch immer jeder kennt. Das Album verkaufte sich bis heute über 60 Millionen mal und wurde somit das meistverkaufteste Album aller Zeiten. Einen großen Anteil des Erfolges hatten die aufwendig produzierten Video-Clips. Zu Beginn der 80er Jahre kam es zu einem Boom dieser Streifen, die zuvor nur „Promos“ (Promotion-Films) genannt wurden. Es entwickelte sich eine regelrechte „Video-Industrie“, die die moderne Popmusik erweiterte und attraktiver gestaltete. Plötzlich sah man seine Lieblingsstars in aufwendig produzierten Filmchen von Klippen springen, vor Videowänden Auto fahrend oder sogar als animierten Lippenstift. (The Cars / You Might Think) Dieses wollte Michael Jackson nutzen, insbesondere für Thriller hatte er die zündende Idee eine regelrechte Horror-Show zu inszenieren. Dafür gewann er den renommierten Film-Regisseur John Landis, der zuvor mit Streifen wie „Kentucky Fried Movie“ und „Blues Brothers“ für aufsehen sorgte. Jackson kannte jedoch nur Landis’ Film „American Werewolf“ und war begeistert von der Sequenz in der sich der Hauptdarsteller David Naughton in einen Werwolf verwandelt. Eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich interessante, ausgefeilte Darstellung, die mit viel Technik einher ging. 16 Minuten dauert schließlich der Clip von „Thriller“. 16 Minuten Verwandlung, tanzende Zombies und Performance pur. Was als Tonträger mit dem Lachen von Vincent Price bereits eindrucksvoll war, verschmolz mit dem Video-Clip zu einem wahren Feuerwerk.
Das Album „Thriller“ scheint also als Proto-Typ für ein modernes, erfolgreiches Album geeignet.
Im Februar 2008 erschien nun eine Neuauflage von „Thriller“ mit gutgemeinten Neuproduktionen der alten Hits. Wieder wurde „The Girl Is Mine“ als erstes veröffentlicht und enttäuschte erneut. Mit dem Rapper will.i.am bemühte sich Jackson vergeblich die Schwäche des Songs zu verdecken. Echte Perlen hingegen sind die Neu-Versionen von „Wanna Be Startin’ Somethin’“ zusammen mit Akon und das mit Fergie eingespielte „Beat It“. Das starke „Billie Jean“ kam in der Version mit Kanye West allerdings nicht über ein Mittelmaß heraus.
Wir müssen uns klar machen, dass Jacksons erfolgreiche Zeiten vorbei zu sein scheinen. Ihm sind im Laufe der Zeit nicht nur seine Nase, sondern auch seine musikalischen Ideen abhanden gekommen. Er scheint den Anschluss an die moderne, angesagte Popmusik verloren zu haben. Es ist auch nicht verwunderlich, schließlich wird er am 29. August diesen Jahres tatsächliche 50 Jahre alt. Das gleiche Schicksal ereilt Madonna 13 Tage vorher, doch sie hat sich Innovation und Ideenreichtum erhalten.
Früher machte Jackson Schlagzeilen mit seiner Musik und der atemberaubenden Bühnenshows. Ich muss gestehen: Das Konzert in Köln 1997, bei dem ich dabei war, ist mir ein unvergessliches Ereignis geblieben. Insbesondere der Auftritt mit „Billie Jean“ riss mich vom Sitz und ließ mich schreien wie ein ausgeflippter, frühpubertierender Teenie.
Wenn man jedoch heute Schlagzeilen von Jackson liest dreht es sich nur noch um finanzielle Probleme, Vorwürfe des Kindesmissbrauchs, verschwundene oder verschobene Körperteile und aus dem Fenster gehaltene Babies. Sichere Anzeichen dafür, dass der Stern des Michael Jackson sinkt. Der „King Of Pop“ befindet sich in der Dämmerung. Trotz allem lässt sich nicht verleugnen, dass er einer der größten Entertainer der modernen Popmusik ist und bleibt.

Bild von San Sharma von Flickr unter folgender Lizenz

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2 Kommentare »

  1. Man kann sagen was man will, aber die Musik von M.Jackson klingt absolut nicht schlecht. Damals war das eine komplett neue Richtung, die da geschaffen wurde. Selbst heute gibt es nicht viele Musiker, die man mit der Musik von Michael Jackson vergleichen kann.

    Aber auf Dauer nervt diese Musik schon, mich zumindest. Ab und zu höre ich mir das gerne an, aber absolut nicht auf Dauer!

    Ingo

  2. Und das ist das Schöne an Michael Jackson.
    Seine Musik war etwas ganz Neues, er hat sie verändert und immer wieder Akzente gesetzt. Er war der King of Pop. Und seine Musik ist heute noch ein Maßstab für andere Popkünstler.
    Danke für Deinen Kommentar Ingo.
    Heuni

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